Du bist Dokusoap!

Bei Sicht der ganzen “gescripteten Dokusoaps” im deutschen Fernsehen drängt sich dem aufgeklärten Zuschauer eine Frage auf: Wo kriegen die Sender bloß die Laien-Darsteller dafür her? Ganz einfach: Wer sich nicht von selbst meldet, wird eben gesucht. Die Produktionsfirmen schlagen an allen möglichen Stellen in Deutschland ihre Infostände auf, um Leute zu rekrutieren. So auch kürzlich in Münster:

Du bist extroviertiert? Selbstbewusst? Du hast Lust, als Darsteller zu arbeiten? Die Firma Norddeich TV, die unter anderem schreckliche Sendungen wie “Mitten im Leben” und “Die Schulermittler” produziert, versucht es mit der psychologischen Masche.

Bis hierhin ist das ja auch alles noch gar nicht so dramatisch. Interessanter ist schon, welche Rollen-Charaktere so besetzt werden müssen. Junge Frauen bekommen etwa zur Aufgabe, für die Bewerbung ein gewalttätiges Mädel namens Kim zu spielen. Und Kim wird so charakterisiert:

Und die Herren der Schöpfung müssen Leon darstellen – und der passt ganz gut zu Kim:

Auffällig ist, dass die Aufforderung sich agressiv zu verhalten, extra fett gedruckt ist – denn darauf kommt es bei diesen asozialen Dokusoaps ja zumeist an, wie wir wissen. Nachdem ein Bewerber sich zum gewalttätigen Löffel gemacht hat, geben die Mitarbeiter der Produktion eine Einschätzung ab – und weil diese Mitarbeiter wohl nicht allzu sehr talentiert sind, dies in freien Worten zu formulieren, brauchen sie einfach nur anzukreuzen. Und das sieht dann so aus:

Hierbei beachte man nicht nur die ethnische Einordnung und die Statur. In der Kategorie “Charakter” wird zudem zwischen vier Möglichkeiten unterschieden: “Sympath”, “Unsympath”, “Opfer” und “konservativ”. Die Charaktere in den Dokusoaps werden sehr gern klischeehaft besetzt – aber auch das ist ja eigentlich nichts Neues. Dennoch ist es interessant, solches Bewerbungsmaterial mal schwarz auf weiß zu sehen.

Diese Dame hier übrigens scheint ganz gut im laienhaften Geschäft zu sein – zumindest taucht sie immer wieder in solchen Sendungen auf. Und mit dem Alter nimmt man es wohl auch nicht ganz so genau.