Digitale Kultur? Nein, danke!

Tja, so ist das manchmal: Da lobt der Simon von “Game One” noch in Folge 65 das 3Sat-Computermagazin “neues”, weil es auch gelegentlich und durchaus kompetent über Videospiele berichtet – und nun teilt 3Sat mit, dass “neues” im Sommer abgesetzt wird.  Dies ist schon sehr ärgerlich, da “neues” das einzige Magazin ist, welches wöchentlich über die digitale Welt berichtet. Ärgerlicher wird es nur noch wegen der Begründung seitens 3SAT: “Die Zuschauerakzeptanz am Sonntagnachmittag ist gesunken.” Da ließe sich jetzt erstmal allgemein fragen: Ja, und? 3SAT ist ein öffentlich-rechtlicher Kultursender (so wird er zumindest immer gern bezeichnet von ARD und ZDF). Gilt dort also jetzt auch schon der Quotendruck? Und warum verlegt man das Magazin nicht auf einen attraktiveren Sendeplatz, um die Quoten zu verbessern anstatt es gleich abzusetzen? Dazu kommt auch hier wieder ein Phänomen, welches ARD und ZDF einfach noch nicht verinnerlicht haben: Natürlich schauen sich viele jüngere Zuschauer “neues” nicht vor dem klassischen Fernsehgerät sitzend an, sondern online in der Mediathek. Dass diese Zuschauer nach wie vor in die Quotenmessung der GfK nicht mit einfließen, kann doch nicht dazu führen, dass Programm für Jugendliche und junge Erwachsene (die nun mal zu einem gehörigen Anteil Fernsehen über ihren Computer und Mediatheken schauen) immer mehr aus dem TV-Programm geschmissen wird. Dazu kommt die offensichtliche Weigerung von ARD und ZDF anzuerkennen, dass zur Kultur auch digitales Kulturgut gehört, also etwa kreative Videospiele.

3SAT verspricht, digitale Themen würden nun vermehrt in das Vorabendmagazin “nano” einfließen – was aber eher wie eine halbgare Ausrede klingt. Der im Mai startende Kanal “ZDFkultur” will zudem angeblich ein neues Magazin namens “Pixelmacher” ins Programm nehmen. Verstehe ich das richtig? Man setzt ein Magazin wegen angeblich mangelnder Zuschauerakzeptanz ab, um ein anderes Magazin zu starten, was erwartungsgemäß dann noch viel weniger Zuschauer haben wird? Das ist öffentlich-rechtliche Logik.

Ich habe mich zwar auch mehrfach über “neues” geärgert (bei der Berichterstattung über den Grimme Online Award und den Deutschen Webvideopreis wurde Fernsehkritik-TV bewusst ignoriert), aber unterm Strich ist es ein wichtiges und vor allem etabliertes Magazin. Es existiert seit 1992 (bzw. seit 2000 unter dem Sendungstitel) und wurde 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Sowas schmeißt man nicht einfach aus dem Programm!