Boah, voll krass: Brennpunkt Drehbuch

Wer die tägliche “Scripted Reality”-Doku “Familien im Brennpunkt” auf RTL kennt, weiß, dass das dort Gezeigte mit der Realität so wenig zu tun hat wie ein Hoppelhase mit Stabhochsprung. Viele Zuschauer halten die Protagonisten dennoch für real. Der Hinweis, dass alles ausgedacht ist und von Laiendarstellern gespielt wird, erfolgt am Ende jeder Folge als kleiner und kaum sichtbarer Texthinweis.

Man mag es kaum glauben, aber es gibt für jede der produzierten Folgen ein richtiges Drehbuch! Ein solches komplettes Drehbuch liegt Fernsehkritik-TV vor.

Jeder Darsteller und jede Darstellerin bekommt neben dem Script diesen Info-Zettel hier ausgehändigt:

Interessant ist hierbei insbesondere Punkt 1, in dem deutlich darum gebeten wird, den Text NICHT auswendig zu lernen. Ist das nicht grandios? Da schreibt jemand ein komplettes Drehbuch – und eines sollen die Protagonisten dann auf keinen Fall: den Text lernen. Warum das so sein soll, wird ja auch gleich danach erklärt: “Glaubwürdiger” wirke das “Spiel” (wohl gemerkt auch bei denen aus gutem Grund in Anführungsstriche gesetzt). Oder anders ausgedrückt: Rede einfach irgendwas, lieber Darsteller – es muss nur irgendwie mit der Situation zu tun haben. Eine Folge “Familien im Brennpunkt” wird also im ersten Schritt in eine ansatzweise professionelle Form gegossen, um es dann durch die Darsteller mit Absicht wieder unprofessionell werden zu lassen.

Aber schauen wir uns doch mal an, worum es in der hier besprochenen Folge der Pseudo-Doku überhaupt geht:

Eine Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen, wie es RTL nur allzu gern als Realität verkauft: junge Mutter, kein Geld, einfache Verhältnisse, wenig Perspektive, alles ein bisschen asozial wirkend eben. Und die Namen sind fast durchweg die typischen klischee-behafteten: Rico, Denise, Dustin. Ein Blick in das Drehbuch selbst macht deutlich, dass die Scripts wohl in Massenanfertigung heruntergeschrieben werden – wirkliche Dialogkunst sieht anders aus. Aber wozu sollte es auch anders sein? Warum soll man sich die Mühe machen, ein Fünf-Gänge-Menü zu zaubern, wenn am Ende Tiefkühlkost herauskommen soll?

Viel “Spaß” nun also mit ein paar Auszügen – man beachte dabei auch die dramaturgischen Hinweise und die fast schon inflationäre Verwendung der Worte “boah” und “krass”:

Sollte jemandem auffallen, wann diese Folge ausgestrahlt wird: bitte melden! Bislang scheint das nicht geschehen zu sein.