RTL sendet “Posch” trotz Einstweiliger Verfügung

Wie skrupellos Fernsehen sein kann, hat sich am Montag (24. August) mal wieder bei meinem Lieblings-Sender RTL gezeigt. Am Montagabend lief eine weitere Folge der Fake-Reihe “Christopher Posch – Ich kämpfe für Ihr Recht”. Wieder einmal ging es um die vermeintliche “Hundemafia”, deren Drahtzieherin angeblich die Hundezüchterin Peggy Eren sein soll. Ich habe mit ihr inzwischen mehrmals telefoniert und werde ganz sicher auch in Fernsehkritik-TV was dazu machen. Dies soll aber an dieser Stelle erstmal kein Thema sein.

Es geht vielmehr um eine Frau, die von Posch in der Sendung als “Zwischenhändlerin” für Peggy Eren bezeichnet wird – was kompletter Unfug ist. Posch ließ zunächst Aufnahmen mit versteckter Kamera in der Wohnung machen und tauchte dann anschließend selbst vor der Wohnungstür der Frau auf. Deren Tochter war zu diesem Zeitpunkt in der Wohnung. Es spielen sich unglaubliche Szenen ab, die in der RTL-Ausstrahlung am Montag auch gezeigt wurden: Die Tür wird geöffnet und gleich kurz darauf wieder dicht gemacht – was zunächst nicht geht, weil Posch seinen Fuß in die Tür stellt (man muss sich immer vor Augen halten: Der Mann ist Anwalt).

Hier ein paar Screenshots – das Gesicht der Tochter war bereits in der RTL-Version verpixelt, weitere Verpixelungen wurden von uns vorgenommen:

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Zuvor hatte es, wie gesagt, mit versteckter Kamera gemachte Aufnahmen in der Wohnung gegeben (auch hier Verpixelung durch uns):

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Nachdem Posch die Tür vor der Nase zugeknallt wurde (er musste erst geschubst werden, damit er den Fuß aus der Tür nimmt), droht die Tochter hinter der Tür, die Polizei zu rufen. Posch prahlt dann lauthals vor der Kamera, dass sie gern die Polizei rufen könne, das wäre ihm sehr Recht. Was RTL nicht gezeigt hat: Die Polizei wurde tatsächlich gerufen – und als diese eintraf, waren Posch und sein Team verschwunden. Des weiteren zeigt Posch wieder mal sein echtes Talent als Sherlock Holmes: Die Frau habe ihn erkannt, also müsse sie ja Dreck am Stecken haben. Dass er sich selbst beim Öffnen der Tür mit seinem Namen vorstellt und darüber hinaus ja vielen Menschen aus dem Fernsehen eh bekannt sein dürfte, kommt ihm nicht in den Sinn.

Der entscheidende Punkt ist nun folgender: RTL hätte die Aufnahmen gar nicht senden dürfen. Denn bereits am Montagvormittag erging vor dem Landgericht Leipzig eine Einstweilige Verfügung gegen RTL, die ausdrücklich verbietet, das Material zu senden. RTL kann sich auch nicht herausreden, die Verfügung zu spät bekommen zu haben. Nach Angaben des Anwalts der Frau hat ein Gerichtsvollzieher in Köln um kurz vor 19 Uhr die Verfügung an RTL überbracht – nachdem diese bereits mittags per Fax an RTL ging. Es gibt also eindeutige Beweise, dass RTL von der Einstweiligen Verfügung rechtzeitig wusste.

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Grundlage war ein etwa zwei Minuten langer Trailer, der zuvor bereits online auf RTL.de zu sehen war (der ist inzwischen gelöscht, auch in der RTL-Mediathek ist die Sendung nicht mehr verfügbar). Dort waren diese Szenen bereits enthalten, was die Geschädigte veranlasste, sofort gegen RTL vorzugehen – mit Erfolg. Denn das Gericht befand, dass auch eine einfache Verpixelung der Frau nicht ausreicht. Immer noch könnten Rückschlüsse auf die Identität der Frau gezogen werden. Und einen eigenen Informationswert der Aufnahmen sahen die Richter nicht. So ist es: Es handelt sich um typische Polter-Aufnahmen, wie wir sie von Posch, Fürst & Co. kennen. Menschen werden gegen ihren Willen überrumpelt, und wenn diese sich dann (zu Recht) gegen das unerlaubte Abfilmen wehren, wird es im Fernsehen so dargestellt, als hätten die Leute was zu verbergen. Zudem konnte die Frau glaubhaft darlegen, dass Posch wieder mal irgendeine Gruselstory zusammengeschustert hat und im Zusammenhang mit der Frau Hunde gezeigt wurden, die gar nicht ihr gehören. Hier fand also erneut eine unglaublich freche Art der Kriminalisierung von Menschen statt.

Das Problem ist: RTL zahlt lieber hinterher eine Strafe als auf die Ausstrahlung der Sendung (und damit Werbeeinnahmen) zu verzichten. Ein im Grunde unhaltbarer Justizskandal, dass Fernsehsender die Macht haben, letztlich lieber eine Geldstrafe zu zahlen, weil es sie billiger kommt. Die Strafen müssten hier viel härter werden. Wenn RTL zum Beispiel einen ganzen Tag Sendeverbot bekäme, würde der Sender es sich sicher zweimal überlegen, ob er so eine Sendung ausstrahlt.

Diese Staffel von “Posch” ist wirklich wieder besonders heftig. Ich bin bereits mit vier verschiedenen Personen in Kontakt, die alle zu Unrecht von Posch verfolgt und mit absurden Lügengeschichten belegt wurden. Sie alle wollen sich übrigens gerichtlich gegen ihn wehren. Auch in diesem Fall wird natürlich das Gericht eingeschaltet (das sicherlich nicht erbaut sein wird, dass RTL so eiskalt eine erlassene Einstweilige Verfügung missachtet).

Somit stellt sich wieder einmal die alles entscheidende Frage: Wann wird diesem Mann endlich das Handwerk gelegt?

Diskussion dazu im FORUM.